Ernährungsberatung in der Adipositastherapie

Zielgruppe: Ärzte, Ernährungsberater

Übergewicht und Adipositas stellen chronische Erkrankungen dar und haben häufig im Sinne des metabolischen Syndroms weitreichende Folgen
auf den Gesundheitszustand. Die Ernährungsberatung bei Übergewichtigen sollte einen hohen verhaltenstherapeutischen Ansatz haben. Es gilt, den
komplexen Bereich fester Gewohnheiten, ungünstiger Verhaltensmuster, Auswahl kalorienreicher Lebensmittel und der Inaktivität zu durchbrechen
und nachhaltig zu verändern. Im folgenden sind hier die wesentlichsten ernährungstherapeutischen Ansätze beschrieben. Eine langfristige Gewichtsabnahme
von ca. 0,5 kg/Woche ist anzustreben.
Fettarme Ernährung (max. 30% Fett in der Nährstoffrelation, entspricht ca. 60 g/Tag) Fett ist mit 9 Kalorien pro Gramm der höchste Energieträger. Neben den sichtbaren Fetten (Koch- und Streichfett) sind die unsichtbaren, verarbeiteten Fette am „gefährlichsten“. Dabei lässt sich durch konsequente fettarme
Ernährung ohne weiteren Verzicht der Nahrungsmenge täglich 500 Kalorien einsparen (Senkung der Energiedichte).
Versteckte Fette mindern:
>> Verwendung fettarmer Milch- und Milchprodukte
– Käse bis 30 % i.Tr.,
– Milch bis 1,5 % i.Tr.,
– Magerquark,
– Milchprodukte teilentrahmt
>> Auswahl fettarmer Fleisch- und Wurstsorten
– Geflügelwurst ist nicht automatisch fettarm.
– Auch Fleisch vom Rind und Schwein kann fettarm sein.
>> Wenig Fertiggerichte wie Backwaren, Pizza, Salatdressings, Sahneprodukte etc. essen. Sie haben nicht nur einen hohen Fettgehalt, sondern
auch noch einen hohen Anteil an ungesunden gesättigten Fettsäuren.
>> Streichfett einsparen durch Verwendung von Halbfettmargarine, Magerquark, Senf, Tomatenmark.
>> Zimmerwarme Butter lässt sich leichter verstreichen als eine, die frisch aus dem Kühlschrank kommt.
>> Weniger bis keine Kochfette benutzen durch fettarme Garmethoden (Bratschlauch, Konvektomat, Dünsten) und Verwendung von beschichtetem
Kochgeschirr.
Fünf-am-Tag
Obst und Gemüse sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Sie wirken präventiv gegen Krebs und haben eine sehr
geringe Energiedichte. Volumenreiche Lebensmittel füllen den Magen und sättigen. Häufig wird von Betroffenen berichtet, dass sie gerne Obst und
Gemüse essen würden, dieses aber nicht in die Tat umsetzen. Da gilt es hauptsächlich, den Geschmack und Appetit auf frische Lebensmittel wieder
zu entfachen und ungünstige Gewohnheiten zu ändern.
Als Faustregel gilt:
>> Zwei Portionen Obst, die jeweils in eine Hand passen (insgesamt ca. 250 g)
>> Drei Portionen Gemüse, die jeweils in beide Hände passen (insgesamt ca. 375 g)
>> Wird die Menge visuell dargestellt und als Beispiel individuell in den Tagesablauf integriert, erscheint die Menge eher klein. Eine Portion
Obst oder Gemüse kann zum Beispiel durch ein Glas frisch gepressten Orangensaft oder Gemüsesaft ersetzt werden.

Zucker
Ein häufiger Co-Faktor für das entstandene Übergewicht ist der hohe Verzehr von zuckerhaltigen Lebensmitteln und Getränke. Die absolute Menge
lässt sich am besten an dem 7-Tage-Protokoll des Patienten errechnen. Eine Darstellung der absoluten Zuckeraufnahme (zum Beispiel berechnet in Würfelzucker) oder die berechnete Einsparung der Kalorien bei der Verwendung zuckerarmer Alternativen ist immer sehr eindrucksvoll.
Schrittweise Reduzierung zuckerhaltiger Getränke bis zum völligen Verzicht. Hilfreich wäre, zuckerfreie Limonaden oder Eistee immer mehr
mit Mineralwasser zu verdünnen. Damit verliert sich zunehmend der Geschmack auf süß.
Süßes nur direkt nach den Mahlzeiten verzehren.
Flexibles Essverhalten erlernen (zum Beispiel statt „nie mehr Schokolade“ essen zu wollen den Verzehr auf zwei Tafeln Schokolade in der Woche zu
beschränken.)

Struktur der Mahlzeiten: „Alles, was ich außerhalb der Mahlzeiten esse, ist eine Mahlzeit“. Danach kommen viele statt der empfohlenen drei Mahlzeiten auf sechs bis acht pro Tag. Dieses „Snack-Verhalten“ führt zu einer mangelnden Wahrnehmung des Hunger- und Sättigungsgefühles und zum unkontrollierten Essen. Die Patienten sollten wieder wahrnehmen, was eine Mahlzeit ist. Das bedeutet auch, Mahlzeiten und Mengen im Alltag und bei festlichen Anlässen planen
zu lernen.

Literatur:
Müller, M. J. „Ernährungsmedizinische Praxis“, Springer-Verlag Heidelberg 2007
www.daem.de/docs/rationalisierungsschema2004.pdf
adipositas-gesellschaft.de/fileadmin/PDF/Leitlinien/Reha-Leitlinien-2005-10-09.pdf

Alste Lindner
Diätassistentin
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Institut für Humanernährung
Düsternbrooker Weg 17
24105 Kiel

Entnommen aus „Ernährungsmedizin in der Rehabilitation“

Titel: „Ernährungsberatung in der Adipositastherapie“ von Alste Lindner; S. 90/91

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